Neue Google-Suche in der EU: Wenn Verzeichnisse vor deinem Betrieb stehen

Bei lokalen Suchen in der EU kann Google jetzt einen eigenen Block für Branchenverzeichnisse zeigen. Dein Betrieb erscheint dann in einem separaten Block. Was sich ändert, was noch unklar ist und was du jetzt tun solltest.

Neue Google-Suche in der EU: Wenn Verzeichnisse vor deinem Betrieb stehen

Was ist passiert?

Google reagiert auf den Digital Markets Act der EU und gibt Vergleichsportalen und Verzeichnissen einen eigenen Platz in der Suche.

Am 23. Juli 2026 hat die EU-Kommission Google wegen Bevorzugung eigener Dienste in den Suchergebnissen mit 460 Millionen Euro bestraft. Am 8. September hat Google daraufhin im gesamten Europäischen Wirtschaftsraum ein neues Layout dokumentiert und ausgerollt: zunächst für Hotels, Flüge, Fernzüge und Fernbusse sowie Produkte. Das neue Layout besteht aus zwei Blöcken. Die Aggregator-Unit zeigt Ergebnisse von Vergleichsportalen, Metasuchmaschinen und Verzeichnissen. Es erscheint immer nur eine solche Unit, der bestplatzierte Anbieter ist aufgeklappt, weitere stecken hinter einem Dropdown. Die Supplier-Unit zeigt zusätzlich die Anbieter selbst, also direkte Unternehmen. Am 18. September hat Google seine Dokumentation erweitert: Beide Units unterstützen jetzt auch lokale Unternehmenssuchen. Google beschreibt lokale Suchen dabei als Suchen nach Gastronomie, Dienstleistungen wie Beautysalons und Freizeitangeboten.
Schema der neuen Google-Suche in der EU mit Aggregator-Unit für Verzeichnisse und Supplier-Unit für lokale Betriebe

Warum ist das wichtig für Deutschland?

Die Änderung gilt nur im EWR. Deutsche Suchergebnisse können damit anders aussehen als in den USA, und Tipps aus US-Ratgebern lassen sich nicht mehr eins zu eins übertragen.

Für Verzeichnisse ist der Weg in die Aggregator-Unit an Bedingungen geknüpft. Sie müssen von Google als Vertical Search Service zugelassen werden und einen Datenfeed liefern, mit Angaben wie Firmenname, Adresse, Telefonnummer, Kategorie, Bildern und Bewertungen. Für dich als Unternehmen gilt etwas anderes: Du musst Google keine zusätzlichen Daten schicken. Für die Supplier-Unit reicht, was Google auf deiner Website crawlen kann, Feeds können das Ergebnis aber ergänzen. Voraussetzung ist, dass du Kunden im EWR bedienst. Wichtig: Die Supplier-Unit erscheint nur dann, wenn auch eine Aggregator-Unit angezeigt wird. Vieles ist noch offen. Google nennt weder, wie oft die neuen Units bei lokalen Suchen erscheinen, noch welche Verzeichnisse bereits zugelassen sind. Laut Google ersetzt die Aggregator-Unit bei lokalen Suchen bestehende Einheiten. Welche das sind, sagt Google nicht. Local Pack und Google Unternehmensprofil werden in der Dokumentation nicht erwähnt.

Was heißt das konkret für lokale Anbieter?

Wenn du vom lokalen Google-Traffic lebst, kann sich der Wettbewerb verschieben. Neben anderen Betrieben können auch Portale sichtbar werden, die deine Branche bündeln.

Stell dir eine Suche nach deiner Leistung plus Stadtteil oder Ort vor, etwa „Friseur“ in deinem Viertel. Bisher lief der Weg zum Kunden meist über Local Pack, Karte und Unternehmensprofil. Mit dem neuen Layout kann ein Verzeichnis-Block auftauchen, der Nutzer zuerst auf ein Portal führt, während dein Betrieb im Block für direkte Anbieter erscheint. Daraus ergeben sich zwei Punkte. Erstens gewinnt deine Präsenz in Verzeichnissen an Gewicht. Wenn ein Portal die Aggregator-Unit gewinnt, bist du dort nur sichtbar, wenn du dort auch gelistet bist, mit korrekten und vollständigen Daten. Zweitens gewinnt deine eigene Website an Gewicht. Für die Supplier-Unit greift Google auf das zurück, was es auf deiner Seite crawlen kann. Eine Website mit dünnen Inhalten, fehlenden Leistungsseiten oder unklaren Kontaktdaten gibt Google wenig Material. Relevant ist das vor allem für Betriebe, bei denen Kunden spontan lokal suchen: Gastronomie, Friseure, Kosmetikstudios, Praxen, Handwerk und Freizeitanbieter. Ob und wie stark sich deine Anfragen verändern, lässt sich heute noch nicht pauschal sagen. Genau deshalb lohnt es sich, jetzt zu beobachten statt abzuwarten.

Was sollte man jetzt konkret tun?

Kein Grund zur Panik, aber die nächsten Wochen sind gut, um Klarheit zu bekommen.

- Prüfe deine 3 wichtigsten lokalen Suchbegriffe im Inkognito-Modus, mach Screenshots und wiederhole das monatlich. So siehst du, ob und wann die neuen Blöcke bei dir auftauchen. - Behalte in deinem Google Unternehmensprofil Anrufe, Routenanfragen und Website-Klicks im Blick. Auffällige Veränderungen seit Mitte September kannst du so früh erkennen und einordnen. - Bring deine Einträge in relevanten Branchenportalen auf den gleichen Stand: Name, Adresse, Telefonnummer, Kategorie und Fotos. - Mach deine Website für Google lesbar: eigene Seite pro Leistung, klare Kontaktdaten, strukturierte Daten für dein Unternehmen. - Pflege dein Unternehmensprofil weiter aktiv. Solange Google nichts anderes sagt, bleibt es ein zentraler Kanal für lokale Sichtbarkeit.

„Bei lokalen Suchen kann dein Wettbewerber jetzt auch das Portal sein, das euch beide listet.“

Welcher Block bei deinen Suchbegriffen erscheint, entscheidet Google. Was es auf deiner Website über dich findet, entscheidest du. Leistungen, Standort und Kontaktdaten sollten so klar strukturiert sein, dass Google sie ohne Umweg versteht.

Kategorie: SEO, Google, Local SEO

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